Die Anzahl der bäuerlichen Betriebe hat sich in den letzten 5 Jahrzehnten in Österreich halbiert. Täglich sperren hierzulande 7 Betriebe ihr Pforten für immer zu. Damit sind aber nicht nur ein Berufsstand und eine Jahrhunderte alte Kultur in Gefahr, nein, auch unser aller Lebensraum und unsere Versorgungssicherheit drohen in Bedrängnis zu geraten. Aber wir können gegensteuern:
Was können wir hier am Land, wo die Welt doch noch in Ordnung zu sein scheint, denn tun? Erst einmal ist es wichtig, sich des Problems bewusst zu werden. Bei uns scheint es ja noch alle Bauern zu geben, meinen Viele, ohne die Realität zu kennen. Der Schein trügt leider sehr, denn viele Höfe werden schon von Pächtern bewirtschaftet. Die Anzahl an jungen Bauern geht stark zurück, die wenigen noch Aktiven können nur durch starke Mechanisierung und Technisierung (Stichwort Melkroboter) ihre Arbeit noch einigermaßen bewältigen. Sie geraten dabei immer mehr in eine Schulden- und Arbeitsfalle. Die finanzielle und vor allem psychische Belastung der Bauern und Bäuerinnen steigt.
Weil es nicht mehr attraktiv ist, für wenig Geld ganzjährig ohne Wochenende durchzuarbeiten, übernehmen viele Junge die Höfe nicht mehr. Andere finden keinen Partner, der bereit wäre, diesen fordernden Beruf anzunehmen. Eine Tätigkeit in der Dienstleistung, in der Industrie oder im Gewerbe verspricht dagegen mehr Lohn, weniger Risiko und vor allem mehr Freizeit und Lebensqualität.
Wenn sie, verehrte Neumarkter Gemeindebürger, sich dieses Problems einmal bewusst sind, dann wird ihnen auch verständlich sein, dass damit auch unsere gepflegte Kulturlandschaft, die Artenvielfalt, ja vielleicht sogar die Versorgungssicherheit mit Lebensmitteln aber auch die ländliche Infrastruktur für uns alle bedroht erscheinen können.
Das kann niemand wollen und gut heißen. Also braucht es ein geeintes Vorgehen von uns allen als Mitbürger und Konsumenten, um dieser Negativentwicklung einen Riegel vorzuschieben.
Diese Schritte können sie setzten, um die heimischen Bauern wirtschaftlich aber auch moralisch zu unterstützen:
- Kaufen sie in erster Linie regionale Produkte von und bei den Bauern oder am Bauernmarkt ein. Der direkte Weg zum Bauern ist der Beste!!
Der Einkauf von heimischen Produkten im Supermarkt hilft nur bedingt, denn zu den dort gebotenen Diskontpreisen können weder heimische Bauern noch kleinere heimische Verarbeiter faire Löhne und Margen verdienen. Supermarkteinkauf generell, auch von regionalen Produkten, ist im Großen und Ganzen zum Erhalt der kleinbäuerlichen Struktur bei uns nicht geeignet, sondern fördert eine Entwicklung hin zu industriellen landwirtschaftlichen Großbetrieben, was ein Ende für viele Bauernhöfe bedeutet. Falls sie entgegen meiner Empfehlung beim Diskonter einkaufen wollenn oder müssen, dann kaufen sie bitte zumindest keine Eigenmarkten der Supermarktketten wie etwa Clever oder S-Budget mehr ein, sondern Markenprodukte regionaler Verarbeiter wie OM oder Kärntnermilch und zumindest AMA-Gütesiegel-Produkte und /oder heimische Bioprodukte der Molkereien
- Kaufen sie Vielfalt statt Einfalt:
Wirkliche Spezialitäten produzieren Bauern bevorzugt dann, wenn die Kunden sie nachfragen. Essen sie vielfältig, bei Fleisch etwa Rind, Lamm und Wild, Ziege, Pute oder Fohlen, und bevorzugen sie Fleisch von Tieren, die auf Almen und Wiesen weiden dürfen anstatt lebenslang in Stallungen gemästet zu werden. Fragen sie neben heimischen Kartoffeln seltenes Gemüse wie Mangold, Spinat oder Kraut und Rüben oder Kohl nach. Kaufen sie selbst Getreide ein und mahlen es sich zuhause für Müsli oder backen ihr eigenes Brot. Durch ihre Nachfrage werden die Bauern dazu angeregt, Seltenes zu produzieren. Das kann alten Rassen und Sorten das Überleben sichern und hilft dabei, Monokulturen zu verhindern und wertvolle Lebensräume und Biotope für Kleintiere und Nützlinge zu schaffen. Mit ihrem Einkauf beeinflussen sie also direkt ihren eigenen Lebensraum hier im Naturpark Zirbitzkogel Grebenzen, aber auch darüber hinaus.
- Kaufen sie nur das ein, was sie wirklich brauchen:
Es hilft allen Bauern, wenn sie Lebensmittel wertschätzen und nur so viel kaufen, wie sie auch tatsächlich essen und verbrauchen können. Ein Drittel aller produzierten Lebensmittel landen auf dem Müll. Das ist zu viel! Kaufen sie qualitätsvoll und mit Maß und Ziel ein und vermeiden sie Abfall. Auf diese Weise wird auch die teurere gute heimische Qualität leistbar.
- Gehen Sie offensiv auf die Bauern ihrer Region zu und sprechen sie mit ihnen.
Stellen sie Fragen zu Dingen, die sie immer schon wissen wollten. Da kann es um die Lebensmittelproduktion ebenso gehen wie um den Erhalt von Lebensräumen, Naturschutz, oder die sonstige Nutzung der Felder, Wiesen und Wälder. Bringen Sie, sofern sie das wollen, vielleicht auch einmal ein Lob für die Arbeit der Bauern an. Bauern sind Menschen die sich freuen, wenn sich Andere für ihre Arbeit interessieren und den Kontakt suchen anstatt nur wortlos über ihre Höfe, Felder oder durch den Wald zu huschen.
- Erkennen Sie das Eigentum an
Fragen sie den Eigentümer, bevor sie mit dem Rad einen Forstweg befahren oder eine Wiese queren wollen. Alleine schon der Haftung wegen. Generell gilt, der Ton macht immer die Musik. Die Landwirte werden ihnen auf eine freundliche Anfrage hin gerne eine Erlaubnis zur Durchfahrt, zum Parken, zum Pilze sammeln, zum Drüberfahren mit dem Rad oder zum Durchreiten, etc. erteilen. Denken sie bitte daran, dass auch sie selbst gerne ihre Eigentumsrechte rund um Haus und Garten gewahrt sehen. Niemand freut sich über Eindringlinge, die glauben, die Welt gehört überall und uneingeschränkt ihnen alleine. Noch eine weitere Bitte: Werfen Sie bei der Ausübung ihrer Hobbies in der Natur keinen Müll weg. Sie erleichtern dadurch die Arbeit der Bauern wesentlich.
Es gäbe noch eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten, sich aktiv für einen gesunden Bauernstand in unserer Heimat stark zu machen. Gerne verraten ich und meine Berufskollegen ihnen weitere Ideen im persönlichen Gespräch. Ich hoffe, bei ihnen Interesse und Verantwortungsbewusstsein geweckt zu haben und freue mich auf eine angeregte Diskussion zu diesem Thema, das uns alle angeht .
Damit wir auch in Zukunft noch gepflegtes Kulturland, Almen und Bauernhöfe vorfinden, wo wir einkaufen und vorbeiwandern können .
Ihr begeisterter Bauer und Gemeinde-Mitbürger
Author: Konrad Liebchen


