Die Seetaler Alpen sind ein kleiner Gebirgszug mit einer Länge von etwa 20 km, der von Norden nach Süden ausgerichtet ist. Der Zirbitzkogel ist mit 2.396 m der höchste Gipfel der Seetaler Alpen. Wenige Höhenmeter unterhalb des Gipfels befindet sich die höchstgelegene Schutzhütte der Steiermark, das Helmut-Erd-Schutzhaus – auch als Zirbitzkogelhütte bekannt.
Das gesamte Gebiet um den Zirbitzkogel ist ein Natura2000 Schutzgebiet. Somit ist es eines von 353 Natura2000-Gebieten in Österreich. Es hat eine Größe von 2.310 ha und dient als Vogelschutzgebiet besonders der Erhaltung sämtlicher wild lebenden Vogelarten im Bereich des Zirbitzkogels.
Die Seetaler Alpen haben einen ausgeprägten alpinen Charakter. Bis zur Baumgrenze, die bei circa 1.850 bis 1.900 m liegt, findet man Lärchen-Zirben-Wälder. Über Baumgrenze wächst nur mehr eine Zwergstrauchgesellschaft mit Heidekraut, AlpenWacholder, Heidelbeere, Preiselbeere und mit der Rostblättrigen Alpenrose. Ab einer Seehöhe von über 2.000 m trifft man auf den Krummseggenrasen – eine Pflanzengesellschaft, in der die Krummsegge dominiert. Dieses Sauergras lässt durch seine trockenen Blattspitzen den alpinen Rasen rotbraun erscheinen und verleiht damit den Seetaler Alpen das rötliche Aussehen. So kam der Zirbitzkogel zu seinem Namen: „Zirbitz“ stammt aus dem Altslawischen und leitet sich
von červica (= rote Alm) ab. In dieser Seehöhe findet man sogar noch eine Orchidee: die Weiße Höswurz. Dort wo der Wind die Alm im Winter schneefrei hält wächst die Gämsheide, ein zäher Zwergstrauch, der mit dem harschen Alpenklima gut zurechtkommt. Zu ihr gesellen sich die Zwerg-Primel, die AlpenGlockenblume, und der Norische Speik, der durch seinen intensiven Geruch auffällt. Der Speik gehört zu den Baldriangewächsen, und seine Wurzel wurde besonders im Mittelalter als Heilmittel und Duftstoff verwendet.

Abbildung 1: Die Weiße Höswurz (Pseudorchis albida), eine Orchideenart der Gebirge. (Foto: T. Jakobitsch)
Die Seetaler Alpen sind ein kleiner Gebirgszug mit einer Länge von etwa 20 km, der von Norden nach Süden ausgerichtet ist.

Abbildung 2: Die Steirische Berg-Hauswurz (Sempervivum stiriacum) gibt es nur in den Ostalpen. (Foto: T. Jakobitsch)
(Sempervivum stiriacum), ein Endemit der Ostalpen, und das Dreispaltige Labkraut (Galium trifidum), das in Mitteleuropa nur an zwei Stellen zu finden ist: in den Seetaler Alpen und auf der Turrach.
Neben den Pflanzen sind Insekten im Gebirge sehr artenreich. Im Sommer 2025 wurde in den Seetaler Alpen eine Tagfalter-Erhebung durchgeführt, die eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig die Schmetterlingswelt der Region ist. Insgesamt konnten 41 Arten nachgewiesen werden. Besonders häufig war der Kleine Fuchs, der von niederen Lagen bis über 2.000 Meter Höhe nachgewiesen werden konnte. Unter den zehn gefundenen Mohrenfalter-Arten sticht der Weißpunktierte Mohrenfalter (Erebia claudina) hervor – eine endemische Art der österreichischen Alpen. Diese Art bewohnt Almwiesen und -weiden zwischen rund 1.500 und 2.000 Metern.

Abbildung 3: Der Weißpunktierte Mohrenfalter (Erebia claudina) ist ein endemischer Tagfalter der österreichischen Alpen. (Foto: C. Ferner)
Amphibien und Reptilien kommen in den Seetaler Alpen auch vor. Es gibt ein paar wenige hochspezialisierte Arten, die mit dem rauen Bergklima zurechtkommen. Der Bergmolch und der Grasfrosch sind typische Amphibien der montanen und subalpinen Höhenstufen, und unter den Reptilien sind es die Bergeidechse und vereinzelt auch die Kreuzotter. Als Anpassung an das kühle Bergklima sind beide Reptilienarten Lebendgebarer – das heißt, sie bruten ihre Eier im Mutterleib aus
und bringen Jungtiere zur Welt.
Zur Vogelwelt der Seetaler Alpen zahlen u.a. Tannenhaher und Kolkraben, und die Vogelschutzrichtlinie sieht besonders den Schutz der Arten Alpenschneehuhn, Wanderfalke, Steinadler, Birkhuhn und Mornellregenpfeifer vor. Der Mornellregenpfeifer brütet eigentlich in der Tundra des Nordens, jedoch nutzte er auch die sanften Hange der Seetaler Alpen als Brutplatz. Es ist
nicht sicher, ob er hier noch vorkommt, denn er wurde schon seit einigen Jahren nicht mehr nachgewiesen.
Säugetiere, die sich über der Waldgrenze am wohlsten fühlen, sind Murmeltiere und Gämsen. An der Waldgrenze kommt die seltene und streng geschützte Waldbirkenmaus vor.

Abbildung 4: Die Gams oder Gämse (Rupicapra rupicapra) fühlt sich über der Waldgrenze besonders wohl. (Foto: T.
Jakobitsch)
Dr. Thorsten Jakobitsch ist als Biodiversitatsexperte im Naturpark Zirbitzkogel-Grebenzen tatig. Daruber hinaus arbeitet er als Botaniker an der Osterreichischen Akademie der Wissenschaften und lehrt an der Universität Wien.
Christina Ferner, BSc, schließt gerade ihr Masterstudium „Umwelt- und Bioressourcenmanagement“ an der Universitat fur Bodenkultur ab. Ihre Abschlussarbeit behandelt die reiche Tagfalterfauna in den Seetaler Alpen.
Author: Thorsten Jakobitsch und Christina Ferner


